Artikel Zeit vom 06.01.2020:

"Wo es sich entscheidet" von Frank Drieschner: Auszug

... Ein Treffen mit der Wohnbaubranche. Die Innungen der Bau- und Ausbauwirtschaft sind vertreten, die der Heizungsbauer und der Elektriker, außerdem die Handwerkskammer. Jeder der versammelten Fachleute kennt das Gutachten der Umweltbehörde, auf das sich der Klimaplan im Abschnitt über die erforderliche Wärmewende stüzt. Alle sind skeptisch. Es gibt viele technische Bedenken. Michael Seitz der Vertreter der Bauwirtschaft, kommt aber zunächst auf einen anderen Punkt: Was ist von einem Plan zu halten, den zwei Regierungsparteien wie aus einer Laune heraus kurz vor einer Wahl aus dem Ärmel schütteln? Die Bauwirtschaft sei schon durch das Wohnungsbauprogramm "zu 110 Prozent" ausgelastet, sagt Seitz. Sollte nun wirklich eine Sanierungsoffensive hinzukommen, müssten die Betriebe in großem Stil neues Personal einstellen. Aber ist ein mittelständischer Unternehmer gut beraten, seine Wachstumsstrategie auf eine politische Absichtserklärung zu stützen, die womöglich schon nach der nächsten Wahl bedeutungslos ist? Das Mindeste, was es dafür brauche, findet Seitz, sei eine Übereinkunft zwischen den größten Bürgerschaftsparteien, ein "Klimafrieden" wie er sagt.

Das nächste Problem: Drei Jahre braucht es für die Ausbildung eines Handwerkers, zwei weitere vergehen, da sind sich die Vertreter der Branche einig, bis sich ein Geselle wirklich nützlich macht. Selbst wenn sich nun in kürzester Zeit genügend Nachwuchskräfte fänden: Ehe die große Sanierungsoffensive des Klimaplans auch nur begonnen hätte, wäre die knappe Frist bis 2030 schon zur Hälfte vergangen. ...